Trinkt mein Tier zu viel Wasser?Trinkt mein Tier zu viel ?

PU / PD beim Kleintier

Hinter diesen Abkürzungen verbergen sich die Begriffe Polyurie / Polydypsie. Dies bedeutet, dass die Tiere vermehrt Flüssigkeit aufnehmen (Polydypsie) und entsprechend ausscheiden (Polyurie).

Hinter diesem Verhalten steht unter anderem das Bedürfnis des Tieres durch eine erhöhte Zufuhr von Flüssigkeit vorhandene Giftstoffe aus dem Körper auszuspülen. Ursächlich hierfür können eine eingeschränkte Leberfunktion (z.B. Hepatitis), eingeschränkte Nierenfunktion (infolge chron. Harn-wegsinfektion), Diabetes mellitus oder auch starke Infektionen, z.B. infolge einer Gebärmuttervereiterung (Pyometra), sein. Häufiger Urinabsatz könnte aber auch ein Anzeichen für eine sich entwickelnde Harnwegserkrankung sein.

Wertvolle Hinweise auf die Ursache ergeben sich aus dem Vorbericht, den der Tierarzt zusammen mit dem Tierbesitzer erarbeitet. Um Gewissheit zu erlangen, schließt sich an die allgemeine klinische Untersuchung oftmals eine weitergehende Diagnostik, z.B. eine Blutentnahme mit Laboruntersuchung, an.

Hinter der - anscheinend - harmlosen vermehrten Wasseraufnahme und häufigerem Urinabsatz können sich lebensbedrohliche Krankheiten verbergen. Daher ist das genaue Beobachten der Haustiere so wichtig ! Falls sie unsicher sind, ob ihr Tier zu viel trinkt, können Sie die tägliche Wassermenge durch Messung ermitteln.

Hierzu eignet sich ein Messbecher, in welchen Sie einen Liter Wasser füllen können. Es ist darauf zu achten, dass der Wassernapf nicht leer wird. Bei Bedarf ist die angebotene Wassermenge zu erhöhen. Nach 24 Stunden wird die restliche Wassermenge zurückgemessen und der Wasserverbrauch berechnet.

Wir haben in unserer Praxis die Möglichkeit zur weiterführenden Diagnostik mittels:

  • Ultraschall
  • Digitalem Röntgen
  • Blutuntersuchung (Hämatologie, Blutchemie)
  • Mikroskopischen Untersuchungen

Gern steht unser Praxisteam Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung.

Management von Geräuschängsten

im akuten Fall und vorbeugend

„Seien Sie zuversichtlich! Gelassenheit, sicheres Verhalten und Kontrolle – das sind erreichbare Ziele für Hunde und Katzen, die bisher ängstlich auf bestimmte Geräusche reagiert haben. Der Weg dahin, die ‚Arbeit‘ mit Ihrem Tier, wird Ihnen einige Mühe, Geduld und Konsequenz abverlangen – das wollen wir hier nicht verschweigen. Er wird Sie aber auch mit kleinen wie großen Erfolgen und viel Freude belohnen!“

Steht kurzfristig ein angstauslösendes Ereignis bevor, können Sie Ihrem Tier mit den folgenden Maßnahmen helfen, die Situation möglichst angstfrei zu überstehen. Für eine dauerhafte Problemlösung empfiehlt es sich zudem, unter tierärztlicher Leitung einen speziell auf Ihr Tier zugeschnittenen verhaltenstherapeutischen Übungsplan aufstellen zu lassen.

1. Abschottung von Problemgeräuschen

  • Lieblingsplätze und auch mögliche Flucht- und Rückzugsorte sollten für Ihr Tier leicht zugänglich sein und uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
  • Sämtliche Fenster und Türen möglichst noch vor Beginn der Geräuschbelastung fest verschließen. Bei Feuerwerken können zusätzlich auch Fensterläden geschlossen, Jalousien heruntergelassen oder Vorhänge zugezogen werden.

2. Vorbildfunktion

  • Strahlen Sie Ruhe und souveräne Freundlichkeit bzw. Freude aus. Bleiben Sie der „Fels in der Brandung“ für Ihr Tier und lassen Sie es weder Ihr Mitleid noch Ihre Sorgen spüren.
  • Bei zusammenlebenden Tieren kann es zu einer Stimmungsübertragung kommen. Daher sollten Jungtiere in der Problemsituation grundsätzlich von geräuschängstlichen Tieren getrennt gehalten werden, um einem „Überspringen“ der Angst vorzubeugen.
  • Nur 100%ig souveräne erwachsene Tiere, die keinerlei Geräuschempfindlichkeit zeigen, können sinnvolle Begleiter für ein geräuschängstliches Tier (auch ein Jungtier) sein. Meist bleibt die souveräne Ausstrahlung allerdings ohne akuten Nutzen für das ängstliche Tier.

3. Beschäftigung und Ablenkung

  • Unter starker Konzentration ist das Abgleiten in Angst nicht möglich. Stellen Sie daher attraktives Kaumaterial oder mit Futter bestückte Spielzeuge bereit. Auch leichte und gerne gezeigte Übungen, bei denen Sie viele Belohnungen einsetzen sollten, sind sehr zu empfehlen. Interaktive Spiele, Denksportaufgaben oder Suchspiele erfüllen diesen Zweck ebenfalls.
  • Bestimmte Hintergrundgeräusche (z. B. Musik, Fernsehsendungen) können eine geeignete Ablenkung sein. Dies gilt speziell, wenn Ihr Tier mit derartigen Geräuschen im Alltag gut vertraut ist. Wichtig ist jedoch auch hier, darauf zu achten, dass keine Problemgeräusche auftreten (z. B. beim Ansehen einer Silvestergala).

4. Allgemeines Management

  • Tiere, die unter Geräuschängsten leiden, sollten in der Angstsituation grundsätzlich nicht unbetreut bleiben!
  • Bei schweren Ängsten ist es sinnvoll, sich vom Tierarzt ein angstlösendes Beruhigungsmittel für sein Tier geben oder verschreiben zu lassen. So kann eine weitere Verschlechterung des Problems verhindert werden.
  • Über so genannte Wohlfühl-Pheromonen (z. B. Feliway, D.A.P.) kann eine angenehme Umgebungssituation hergestellt werden. Als alleinige Maßnahme ist dies jedoch nur in milden Fällen ausreichend. Ähnliches gilt auch für den Einsatz von bestimmten stresslindernden Futtermitteln (z. B. Calm, Royal Canin) bzw. das Ergänzungsfuttermittel Zylkène. Es empfiehlt sich ein frühzeitiger Einsatz mind. 14 Tage vor dem erwarteten Geräuschereignis. Ihr Tierarzt berät Sie hierzu gerne!
  • Geräuschängste werden auch durch den Einsatz von lauten Schreckreizen (z. B. Wurfketten, Klapperbüchsen, Sprühhalsbänder) geschürt. Daher sind derartige Strafen für geräuschängstliche Tiere grundsätzlich nicht geeignet. Bei ihnen sollten Sie, auch unabhängig von einer Geräuschsituation, völlig darauf verzichten.

5. Beschränkung von Freilauf und Freigang

  • Tiere, die starke Angst oder Panik durchleiden, reagieren nicht in gewohnter Weise. Um zu vermeiden, dass sie aus Angst weglaufen (Unfallgefahr), ist der Freilauf bzw. Freigang an den Tagen, an denen angstauslösende Geräuschereignisse vorhersehbar sind, unbedingt zu verweigern!
  • Hunde sollten nicht in enger zeitlicher Nähe zu einem kurz bevorstehenden Geräuschereignis ausgeführt werden. Wenn sich die reale oder potentielle Geräuschbelastung über mehrere Tage erstreckt, empfehlen sich generell kürzere Spazierrunden. Ein Ausgleich lässt sich leicht schaffen, indem Sie Ihr Tier z. B. mittels Denksportaufgaben und Spielen im häuslichen Bereich ausreichend beschäftigen.

6. Vorbereitende Übungen

  • Machen Sie Ihr Tier mit den oben aufgeführten Maßnahmen zur Geräuschabschottung und Beschäftigung schon früh vertraut, also unabhängig von einem bevorstehenden Geräuschereignis. So wird später kein Misstrauen geschürt.
  • Belohnen Sie ruhiges Verhalten, das Ihr Tier an seinem bevorzugten Rückzugsort bzw. auf seinem Lieblingsliegeplatz spontan zeigt. Für Hundebesitzer gilt: Binden Sie diese Orte gerne auch in Ihren Trainingsplan ein (Übung PLATZ–BLEIB) und belohnen Sie guten Gehorsam mit attraktivem Futter.
  • Animieren Sie Ihr Tier dazu, selbst laut zu spielen, denn selbsterzeugte Geräusche lösen in aller Regel keine Ängste aus. Mit Trockenfutter befüllbare Spielzeuge aus hartem Plastik sind hierfür ein guter Einstieg.

WDT © 2011 | Die Autorin dieses Merkblattes, Tierärztin Celina del Amo, ist Mitinhaberin des Zentrums für angewandte Kynologie und klinische Ethologie Lupologic (www.lupologic.de) in Düsseldorf. Sie ist als mehrfache Buchautorin und Referentin im In- und Ausland bekannt.

Zahngesundheit und Gebissveränderungen beim Zwergkaninchen

„Das Kaninchen gehört, ebenso wie der Feldhase, zu der Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha). Diese zeichnen sich durch das Vorhandensein eines zusätzlichen, kleineren Paars an Schneidezähnen, so genannte Stiftzähne, im Oberkiefer aus. Das Kaninchen ist auf die Aufnahme und Verdauung großer Mengen karger, pflanzlicher Kost spezialisiert. Eine ausgewogene Ernährung, die die physiologischen Besonderheiten des Kaninchens berücksichtigt, ist für die Gesunderhaltung in der Heimtierhaltung für ein langes Kaninchenleben entscheidend.“

Anpassungen an den kargen ursprünglichen Lebensraum, die sandigen Gräser- und Kräutersteppen Südwest- Europas, finden sich unter anderem in den nachwachsenden Zähnen der Kaninchen wieder.

Nachwachsende Schneide- und Backenzähne

Die Schneide- und Backenzähne von Kaninchen wachsen lebenslang. Das Längenwachstum der Schneidezähne von Zwergkaninchen beträgt im Oberkiefer 1,3 – 1,7 mm pro Woche sowie im Unterkiefer um 1,1 – 1,8 mm pro Woche [3]. Die effektive Zahnlänge ist Resultat aus zwei parallel ablaufenden Prozessen, nämlich Wachstum und Abrieb [1]. Für Wachstum und Abrieb der Schneidezähne ist die Art und Dauer der Futteraufnahme sowie die Intensität des Kauaktes wichtiger als die Härte des angebotenen Futters [5].

Besonders von Bedeutung sind Futtermittel, die nicht in einem Stück in die Mundhöhle aufgenommen werden können, sondern „benagt“ werden müssen[4]. Je länger die Tiere mit der Futteraufnahme (abbeißen, kauen, zermahlen) beschäftigt sind, umso günstiger ist dies für die Zahnabnutzung, da die Zähne sich aneinander, und nicht am Futter abnutzen [2].

Die Futteraufnahmeintensität geht bei Angebot von Futtermitteln mit geringem Gehalt an strukturwirksamer Rohfaser (Faserlänge und -härte) deutlich zurück, während der Rohfasergehalt an sich weniger Einfluss hat [1]. Daher ist ein Futterangebot zur freien Verfügung, zum Einem von grob strukturiertem Heu (z. B. Heu von Naturschutzwiesen), zum Anderen von einem Monokomponentenfutter, das den Erhaltungsbedarf von Zwergkaninchen in der Heimtierhaltung deckt, optimal für eine gesunde Kaninchenernährung. Die tägliche Gabe von Frischfutter (z. B. Möhren, Fenchel) rundet die Ration für Zwergkaninchen ab.

Ursachen für Gebiss-Erkrankungen

Neben genetisch bedingten, angeborenen Zahn- bzw. Kieferfehlstellungen kommen auch erworbene Zahnfehlstellungen als Ursache für Gebiss-Erkrankungen in Betracht. Hierzu zählen unter anderem Fütterungsfehler (z. B. zu geringer Gehalt an strukturierter Faser, Kalziummangel), Bindegewebsschwäche bei älteren Tieren, Verletzungen der Schneidezähne durch Stürze sowie Erkrankungen, die mit reduzierter Futteraufnahme = reduziertem Zahnabrieb einhergehen.

Anzeichen für Gebiss-Erkrankungen

Neben einem Rückgang der Nahrungsaufnahme, verbunden mit einem reduzierten Zahnabrieb, ist ein Gewichtsverlust meist ein Anzeichen für Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Die entstehenden Zahnhaken piksen in die Zungen- bzw. Wangenschleimhaut und verletzen diese. Die Folge ist eine unzureichende Zerkleinerung der Nahrung oftmals verbunden mit Verdauungsproblemen.

Ein Gewichtsverlust kann leicht über eine regelmäßige Gewichtskontrolle des Kaninchens festgestellt werden. Die Ursache sollte zügig von einem Tierarzt abgeklärt und abgestellt werden. Sind Veränderungen des Gebisses die Ursache für den Gewichtsverlust, wird vom Tierarzt eine Zahnbehandlung durchgeführt. Diese erfolgt in der Regel in Narkose. Aufgrund der nachwachsenden Zähne können die Gebiss-Veränderungen schnell wieder auftreten, so dass eine regelmäßige Nachkontrolle und Nachbehandlung durch den Tierarzt notwendig ist.

Ein Monokomponentenfutter für Kaninchen, die bereits Fehlstellungen der Schneidezähne oder Veränderungen an den Backenzähnen aufweisen, sollte einen kleineren Durchmesser zur Erleichterung der Futteraufnahme aufweisen. Geeignet ist beispielsweise die Fütterung von KaninchenTraum oral. Erfahrungen aus der Tierarztpraxis zeigen, dass sich die Intervalle zwischen den Zahnbehandlungen bei Gabe von Kaninchen- Traum oral verlängern.

Die Schneide- und Backenzähne von Kaninchen sollten schon als Jungtier, beispielsweise bei der ersten Impfung, von einem Tierarzt kontrolliert werden. In Einzelfällen können gezielte Zahnbehandlungen beim Jungtier angeborene Fehlstellungen korrigieren und den Tieren eine lebenslange Zahnbehandlung ersparen. Eine den ernährungsphysiologischen Bedürfnissen von Kaninchen angepasste Ernährung ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme zur Erhaltung der Zahngesundheit.

Literatur

[1] Kamphues, J. (1999): Besonderheiten in der Verdauungsphysiologie „kleiner Nager“ in Praxisrelevante Fragen zur Ernährung kleiner Heimtiere (Kleine Nager, Frettchen, Reptilien), 02.10.1999, Hannover, 7 – 13
[2] Kamphues, J. (2004): Häufige Fütterungsfehler und Hinweise zur Diätetik (Kaninchen und Meerschweinchen), aus Kleine Heimtiere: Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Verdauungstraktes – Aktueller Wissensstand, 09.07.2004 in Hannover
[3] Kamphues, J. et al. (2009): Supplemente zu den Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung 11., überarb. Aufl., Schaper-Verlang, Alfeld-Hannover
[4] Schröder, A. (2000): Vergleichende Untersuchungen zur Futteraufnahme von Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla bei Angebot unterschiedlich konfektionierter Einzel- und Mischfuttermittel. Hannover, Tierärztl. Hochschule, Diss.
[5] Wolf, P. und Kamphues, J. (1995): Probleme der art- und bedarfsgerechten Ernährung kleiner Nager als Heimtiere, Der praktische Tierarzt 12, 1088-1092
WDT © 2012 | Autorin dieses Merkblattes: Dr. med. vet. Birgit Zumbrock, Bunny Tierernährung GmbH, Krukumer Str. 37, 49328 Melle, b.zumbrock@bunny-nature.de


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